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Turnen: (Turnverein Cannstatt 1846 e.V.)
 
„Bombenfund“ beim Turnverein Cannstatt

Susanne Winkler

Über den 2,3 Mio. Umbau des Bewegungszentrums vom TVC wurde unlängst berichtet. Bei Baggerarbeiten stand nun vor kurzem einem Arbeiter der sprichwörtliche „kalte Schweiß“ auf der Stirn! Beim Abspritzen des Bauschutts sichtete er einen bombenähnlichen Gegenstand. Bei näherer Betrachtung und Kontrolle von kompetenter Seite konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. Der Fund entpuppte sich als gut verschweißtes Kupferbehältnis. Der Grundstein des ehemaligen Jugendgästehauses! Vorsichtig ließ man das Kupferrohr öffnen. Der außergewöhnlich gut erhaltene Inhalt versetzte die Vorstandschaft des TVC in Erstaunen. Zu Tage trat ein Bericht über die Grundsteinlegung vom 23.04.1927, die um 18.00 Uhr abends statt fand. - Ruth Leuwerik, die spätere deutsche Filmgröße wurde an diesem Tag gerade mal ein Jahr alt. - Weiter kamen zum Vorschein eine Cannstatter Zeitung vom selbigen Tag, eine Festschrift zum 75-jährigen Bestehen, Vorkriegsgeld von 1914-18 mit einem damaligen Wert von 2.424.60 Mark, Nachkriegs- bzw. Inflationsgeld von 1.14.821.162 Mark in Scheinen sowie Festgeld von 1927 im Werte von 1,68 Mark. Eine große Anzahl der damaligen Briefmarken, eine Jahn – Plakette, 20 Bilder sowie verschiede Schriftstücke den Verein betreffend.

Aus den historischen Unterlagen war zu entnehmen, dass der Entschluss auf dem Burgholzhof zu bauen, bereits am 16. Oktober 1926 bei der ausserordentlichen Hauptversammlung im Vereinslokal „Rose“ einstimmig gefasst wurde . Wahl- und stimmberechtigt waren laut Satzung ß5 vom 02.04.1910 „ Mitglieder und Ehrenmitglieder. Mitglied konnte jede „ unbescholtene Person mit ehrenhafter Gesinnung werden, welche das 17. Lebensjahr zurückgelegt hat“.

Im Baujahr 1927 zählte der TVC immerhin stolze 1700 Mitglieder, darunter 500 Jugendliche! Die damals schon sportlich Begeisterten waren in 13 Abteilungen aktiv; man kräftigte Körper, Geist und Seele in der Frauenriege, der Fechterschaft, der Männerriege, bei den Turnerinnen, im Singchor, der Spiel- und Sportabteilung, der Schneeschuhabteilung, der Vorturnerschaft, der Geräteabteilung, bei den Jugendturner, der rhythmischen Abteilung, der Mädchen- Abteilung wie auch beim Schwimmabend.

Der Jahnsche Gedanke hatte seinen festen Platz in der Vereinordnung und war für die damaligen Sporttreibenden eine Selbstverständlichkeit. „Gemeinschaft“ war ein gelebter Begriff, was sich bei den baulichen Erweiterungen immer wieder deutlich zeigte. Es wurde gespendet und mit der “Hand am Arm“ wie auch körperlichem Einsatz mitgeholfen, um damit seine Mitgliedschaft sichtlich zu dokumentieren.

Somit konnte auch schon zu dieser Zeit die Vorstandschaft immer gezielt nach vorne blicken. Bereits 1921 schrieb der damalige 1. Vorsitzende Baurat Sohler in der Festschrift zum 75 – jährigen Bestehen des Vereins: „Unsere Pflicht ist es, diese herrliche Stätte zu erhalten und weiter auszubauen zu einer Anlage, die neben dem Zweck der Erholung für Jung und Alt, den neuzeitlichen Bestrebungen der körperlichen Jugenderziehung mit dem Drang ins Freie in jedem Maße und in jeder Beziehung Rechnung trägt“.

Am Inhalt dieser Aussage hat sich bis zum heutigen Tag für den TVC nichts geändert; hat er sich doch vielmehr in all den vergangenen Jahren wie ein roter Faden durch die Vereinsgeschichte gezogen. Man investiert für die Zukunft, so, wie jetzt beim Umbau des Bewegungszentrums. Alles braucht und hat seine richtige Zeit im Leben; vielleicht kann der Fund des Grundsteins von 1927 nochmals deutlich aufzeigen, dass der Verein schon immer nach vorne blickte. Die Worte Roland Schmid´s– erster Vorsitzender des TVC- spiegeln diese Denkweise im Jahre 2003 wieder. „Es geht immer aufwärts. In diesem Sinne wird wieder ein neuer Grundstein gesetzt werden; ein Stück jetzige Geschichte, damit auch die heutige Historie des Turnverein Cannstatt 1846 e.V. für die Nachwelt erhalten bleibt.“


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Original-Pressemitteilung
Artikel vom 11.09.2003, 08:30 Uhr
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